
Warum die Luftverschmutzung in Israel weniger Opfer fordert als in Europa, trotz ähnlicher Belastungswerte
Die Luftverschmutzung bleibt eines der Hauptumweltrisiken für die Gesundheit weltweit. Jedes Jahr verursachen Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon tausende vorzeitige Todesfälle und den Verlust von Lebensjahren. Eine aktuelle Analyse, die zwischen 2015 und 2023 in Israel durchgeführt wurde, zeigt, dass diese drei Schadstoffe für 4.500 bis 6.200 vorzeitige Todesfälle pro Jahr im Land verantwortlich sind. Feinstaub macht dabei den größten Teil dieser Bilanz aus, mit bis zu 5.400 Todesfällen jährlich in den am stärksten verschmutzten Jahren. Dennoch verzeichnet Israel im Vergleich zu Europa niedrigere Sterblichkeitsraten und weniger verlorene Lebensjahre, obwohl die Schadstoffkonzentrationen oft ähnlich hoch sind.
Dieser Unterschied erklärt sich vor allem durch die demografische Struktur Israels. Das Land hat einen deutlich geringeren Anteil an Menschen über 65 Jahren als die meisten europäischen Nationen. Doch gerade Senioren sind am anfälligsten für die Auswirkungen der Luftverschmutzung. So sind die Todesraten pro Einwohner in Israel trotz ähnlicher Belastungswerte für Feinstaub oder Stickstoffdioxid wie in Griechenland, Italien oder der Slowakei deutlich niedriger. Beispielsweise wies Israel im Jahr 2020 eine Rate von 44 vorzeitigen Todesfällen pro 100.000 Einwohner auf, die auf Feinstaub zurückzuführen sind, während diese in der Slowakei bei 71 und in Italien bei 88 lag, wo die Bevölkerung älter ist.
Männer sind in fast allen Altersgruppen stärker betroffen als Frauen, mit Ausnahme der über 85-Jährigen und der Säuglinge unter einem Jahr. Letztere tragen die schwerwiegendsten Folgen in Bezug auf verlorene Lebensjahre, insbesondere durch Ozon, dessen Auswirkungen bereits ab der Geburt berechnet werden. Die Daten zeigen auch, dass die Sterblichkeit mit dem Alter zunimmt, dass Säuglinge jedoch, obwohl sie selten vorzeitig sterben, aufgrund ihrer ursprünglich hohen Lebenserwartung deutlich mehr Lebensjahre verlieren.
Die Studie betont, dass die Reduzierung der Stickstoffdioxidemissionen in den letzten Jahren zu einer deutlichen Verringerung der Luftverschmutzung geführt hat, dank technologischer Fortschritte und Maßnahmen, die den Verkehr und die Industrie betreffen. Ozon hingegen zeigt einen gegenteiligen Trend mit einem leichten Anstieg der Konzentrationen und der damit verbundenen Todesfälle. Dieses Phänomen erklärt sich durch die Abnahme von Stickoxiden in der Luft, die normalerweise einen Teil des Ozons in der Nähe von städtischen Gebieten „verbrauchen“. Mit weniger Stickoxiden bleibt das Ozon bestehen und seine gesundheitlichen Auswirkungen nehmen zu, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten.
Die Hauptquellen der Luftverschmutzung in Israel sind Müllverbrennung, Straßenverkehr und Kraftwerke, die fossile Brennstoffe nutzen. Waldbrände und Staubstürme, die in der Region häufig auftreten, verschärfen die Situation zusätzlich, vor allem in Bezug auf Feinstaub. Ihr Beitrag variiert stark von Jahr zu Jahr und erschwert eine nachhaltige Reduzierung der Verschmutzung.
Die Forscher bestehen auf die Notwendigkeit, auf mehreren Ebenen zu handeln: den öffentlichen Nahverkehr verbessern, um die Emissionen von Fahrzeugen zu reduzieren, die Abfallbewirtschaftung optimieren, um illegale Brandrodungen zu vermeiden, und den Übergang zu erneuerbaren Energien beschleunigen. Sie empfehlen auch, die Warnungen bei Smogspitzen zu verstärken, insbesondere zum Schutz älterer Menschen und gefährdeter Gruppen. Langfristig könnte die alternde Bevölkerung Israels die gesundheitlichen Folgen verschlimmern, wenn die Verschmutzungswerte nicht sinken.
Ozon stellt eine besondere Herausforderung dar, da seine Bildung von komplexen chemischen Reaktionen abhängt, an denen mehrere Schadstoffe beteiligt sind. Ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Emissionen berücksichtigt, wäre daher effektiver als eine Regulierung, die sich nur auf einen Schadstofftyp konzentriert. Die israelischen Behörden verfügen bereits über regulatorische Instrumente wie das Luftqualitätsgesetz, doch deren Umsetzung muss verstärkt werden, um die Belastung in Wohngebieten zu verringern.
Schließlich erinnert die Studie daran, dass die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Kosten der Luftverschmutzung beträchtlich sind und auf mehrere Milliarden pro Jahr geschätzt werden. Eine Verbesserung der Luftqualität wäre nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für die Wirtschaft des Landes von Vorteil. Die Ergebnisse bestätigen, dass Feinstaub der gefährlichste Schadstoff bleibt, dicht gefolgt von Ozon, dessen Auswirkungen mit den Veränderungen der Emissionen zunehmen. Ohne entschlossenes Handeln wird die Belastung durch die Luftverschmutzung mit der alternden Bevölkerung weiter steigen.
Sources
À propos de cette étude
DOI : https://doi.org/10.1186/s13584-026-00753-4
Titre : Premature mortality and years of life lost attributable to ambient air pollution in Israel, compared to Europe: analysis and implications
Revue : Israel Journal of Health Policy Research
Éditeur : Springer Science and Business Media LLC
Auteurs : Ilan Levy; Itamar Grotto; Hagai Levine; Isabella Karakis